Schämt euch!
Die Apoldaer Fußgängerzone ist normalerweise alles andere als gut besucht. Leerstehende Geschäfte und beschmierte Fassaden prägen das Stadtbild. Sobald aber die Narrenzeit Apolda erreicht hat ändert sich das schlagartig. Der Faschingsumzug (im Osten wird noch Fasching und kein Karneval gefeiert) ist für unsere Kleinstadt ein richtiger Höhepunkt und wird dementsprechend gefeiert.
Für Kinder ist das “Event” besonders aufregend. Die vielen geschmückten Wagen sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern es wird natürlich auch ordentlich mit Kamelle geworfen. Paul hatte letztes Jahr bereits viel Freude und war ganz interessiert dabei. In diesem Jahr wollten wir das Erlebnis wiederholen, aber leider wurde aus dem Erlebnis ein Reinfall. Aber lest selbst…
Nach dem Mittagsschlaf war es endlich soweit und wir konnten losgehen. Weil es draußen doch noch recht kühl war, fielen die richtigen Kostüme aus und wir sind auf eine “Sparversion” umgestiegen. Paul bekam seine Hundemütze aufgesetzt und Katharina wurde als Mäuschen geschminkt.
Nach einem kurzen Fußmarsch hatten wir den Marktplatz erreicht und suchten uns dort einen Platz in der zweiten Reihe einer anständigen Ecke. Anständig soll heißen, dass wir uns bewusst für einen Bereich entschieden hatten, in denen hauptsächlich Familien mit Kindern und ältere Leute standen. Die gröhlende Jugend versammelte sich an der lauten Bühne, die weit genug von uns entfernt war und wir freuten uns auf einen schönen Nachmittag.
´
Es dauerte nicht lange und der erste Wagen fuhr um die Ecke. Scheinbar war genau das der Startschuss für diejenigen, die sich ohne Rücksicht auf Kamellen-Jagd begeben wollten. Ich war wirklich sehr darüber erstaunt, dass überwiegend Erwachsene riesige Beutel auspackten und sich wie die Geier auf Bonbons und Popcorn-Tüten stürtzen. Das mag vielleicht harmlos klingen, war es aber leider nicht.
Viele Kindern gingen so gut wie leer aus und das ist nicht übertrieben. In mir staute sich Wut auf als ich sah, dass Frauen den Kindern die Sachen unter der Nase weg geschnappt haben. Die Frauen waren zwischen 40-60 Jahre alt und ich hatte das Gefühl, je älter die Damen waren, desto verrückter und gieriger waren sie auf die kleinen Geschenke, die da verteilt wurden.
Als wäre das nicht schon genug, drängelten sich diese Damen immer weiter vor (wahrscheinlich um noch mehr abgreifen zu können). Zwei Omis quetschen sich genau vor mich und Katharina, die ich auf dem Arm hatte damit auch sie etwas sehen konnte. Anfangs dachte ich noch, dass sie nur auf der “Durchreise” sind, aber ich irrte mich gewaltig. Mit hochgerissenen Armen versperrten sie uns nicht nur die Sicht, sondern drückten ihre Hinterteile demonstrativ in unsere Richtung wenn sie sich bückten, um Kamelle vom Boden aufzusammeln.
Ich atmete tief durch, tippte der einen Dame freundlich auf die Schulter und bat im netten Ton, dass sie sich doch bitte einen halben Meter weiter hinstellen sollten. Wir standen dort zuerst und ich hatte keine Lust darauf die ganze Zeit aufpassen zu müssen, dass mir kein Po zu Nahe kommt. Mein erstes Tippen wurde ignoriert, also tippte ich etwas penedranter bis sich die Dame entgeistert umdrehte. Konnte sie mich nicht verstehen, oder wollte sie mich nicht verstehen? Ich erklärte es den Damen erneut und endlich rückten sie ein wenig zur Seite.
Aus der Ferne sah man wie sich ein großer Wagen näherte, der Kuscheltiere verteilte. Kuscheltiere!!! Da hatte ich mich über den gewonnen Freiraum gefreut, drängelten schon die nächsten Omas (!!!) von hinten heran. Selbstverständlich waren keine Enkelkinder in der Nähe, nur der gute Freund, Herr Rotwein. Die Leute auf dem Wagen gaben sich große Mühe die Kuscheltiere gezielt in Richtung Kinder zu werfen. Ich freute mich schon, als mir ein netter Mann zunickte und mir so zu verstehen gab, dass er jetzt ein Tierchen zu mir werfen würde. Katharina saß auf meinem linken Arm und mit dem rechten begab ich mich in Fangposition. Zugegeben, ich bin keine gute Fängerin, aber ich gab mir alle Mühe als der kleine Pinguin auf mich zu flog. Ha, er landete tatsächlich auf meinem Arm. Doch oh weh, ich hatte ihn noch nicht richtig und als Katharina anfing vor Vorfreude zu hüpfen, fiel der kleine Kerl vor meine Füße. Ich bückte mich (mit Kind auf dem Arm geht das nicht ganz so schnell), aber schon kam von der Seite eine kinderlose Dame, schnappte sich den Pinguin und verschwand in Windeseile. Ich war sprachlos! Die Dame hatte definitiv gesehen, dass der Pinguin für uns bestimmt war und er mir nur beim Fangen runterfiel. In diesem Moment war ich so perplex, dass mir die Worte fehlten. Paul hätte sich doch über den Pinguin ganz besonders gefreut, denn Pinguinen gehören zu seinen Lieblingstieren. ![]()
Der Mann auf dem Wagen hatte alles mitbekommen und griff erneut nach einem Kuscheltier. Er beugte sich über die Absperrung, sodass das neue Tierchen keine große Flugstrecke überwinden musste. Es hatte geklappt, die kleine Ente wurde mit großer Begeisterung entgegengenommen. Sie konnte sogar quaken wenn man auf ihren Bauch drückte, das gefiel unserer Maus.
Trotzdem hatte es uns gereicht, wir hatten definitiv genug vom Faschingsumzug! Nach nicht einmal 30 Minuten haben wir den Marktplatz verlassen. Der Umzug war schön, aber die Gier einiger Leute war nicht länger zu ertragen. Wir sprechen hier nicht nur von ein paar wenigen Sachen, die haben mehrere Beutel voll weggetragen. Wie kann man nur so skrupellos sein? Kindern die Sachen unter der Nase wegschnappen, sich an Kindern vorbeidrängeln, nur um Süßigkeiten abzugreifen? Um uns herum standen einige Kinder und hatten absolut keine Chance ein paar Kleinigkeiten abzubekommen.
All den herzlosen und ignoranten Damen sei gesagt:Schämt euch!
Unsere Ausbeute könnt ihr auf dem nächsten Foto sehen. Die Ente für Katharina und Paul konnte ein paar wenige Bonbons erobern.
Ich möchte noch erwähnen, dass natürlich jeder Kamelle sammeln kann und darf, dennoch sollte man als Erwachsene Person so viel Anstand haben, den Kindern den Vortritt zu lassen und sich gesitteter zu benehmen. Aber scheinbar hieß es heute in Apolda Gier frisst Hirn!
Morgen Nachmittag gehen wir mit Katharina und Paul zum örtlichen Kinderfasching, den sie hoffentlich positiver in Erinnerung behalten werden.
-
http://www.testmama.de/ Kerstin
-
http://www.Paulchens-kleine-welt.de/ Franzi
-
Steffi
-
http://www.Paulchens-kleine-welt.de/ Franzi
-
gist47
-
Claudi Adler
-
http://www.spannendes-im-netz.de/ Diana
-
Annette
-
Drapegon
-
Kyra Lastring
-
Corinna Wagner
-
http://www.facebook.com/carmenkrellpeters Carmen Peters





