Rezension: Gentlemen, wir leben am Abgrund
Heute möchte ich euch einmal wieder ein Buch näher bringen:
Thomas Pletzinger – Gentlemen, wir leben am Abgrund: Eine Saison im deutschen Profi-Basketball.
Kurz ein paar Fakten zum Buch: 256 Seiten, erschienen im Januar 2011 im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Mein Dank geht an Blog dein Buch, die mir das Werk zur Rezension überließen.
Das dies nicht das erste Basketballbuch ist, welches den Weg in mein Bücherregal fand, ist sicher keine große Überraschung. Dennoch nimmt dieses Buch einen besonderen Platz ein. Ich habe es nicht gelesen – ich habe es verschlungen! Warum? Dumme Frage! Wohl jeder, der selbst Basketball spielt (oder gespielt hat) hat(te) den Wunschtraum, ein Leben als Basketballprofi zu führen. Der Autor Thomas Pletzinger, einst selbst Basketballer, der es beinahe zum Profi gebracht hätte, bringt dem Leser mit seinem Buch genau das näher – das Leben als Profi. Er begleitete das Team von ALBA Berlin über eine komplette Saison, von der Vorbereitung im Trainingslager über die Spiele in der Bundesliga und auf internatoinalem Parkett bis zu den Finals. Er nimmt den Leser mit in unzählige Trainingsräume und Sporthallen, auf viele Reisen zu Auswärtsspielen, in die großen Arenen der Bundesliga und Top-Adressen im europäischen Basketball. Und ganz schnell wird klar: Profibasketball bedeutet weitaus mehr als Abends vor vielen Tausend Fans übers Feld zu rennen und Körbe zu werfen. Es bedeutet Arbeit, es bedeutet nicht selten auch Schmerz und Überwindung – und es bedeutet große Entbehrungen was das Privatleben angeht.
Man erfährt durch das Buch viel mehr, als man aus Fernsehen oder Internet über einen professionellen Basketballverein erfahren kann. Pletzinger schreibt über die Spieler – sowohl als Sportler als auch als Privatpersonen -, über die Trainer und die Führungsetage. Er tut dies in einer Weise, wie es nur ein Mensch vollbringen kann, der selbst den Sport über alles liebt, der Basketball nicht nur spielte, sondern gelebt hat. Hin und wieder leidet man mit ihm, weiß man doch seit dem Prolog, dass er selbst nur knapp den letzten Schritt vom Amateur-Spieler zum Profi verpasst hat. Je länger die Saison – und damit das Buch – dauert, desto mehr verliert Pletzinger auch seine anfängliche Neutralität. Aber mal Hand auf’s Herz – wenn man eine ganze Saison lang mit einem Team verbringt, alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchlebt und durchleidet, dann KANN man doch auch gar nicht anders…
Auf einer Skala von 1 bis 5 gebe ich dem Buch auf jeden Fall 5 Sterne. Sehr empfehlenswert, nicht nur für Basketball-Freaks.
Während und nach der Lektüre des Buches ertappe ich mich immer wieder beim Nachdenken – oder sagen wir, beim Träumen, das trifft es wohl eher. Was wäre wohl gewesen, wenn ich in meiner Jugend die Prioritäten etwas anders verteilt hätte. Hätte ich es auch nur annähernd zum Profi geschafft? Wer weiß, wie mein Leben dann verlaufen wäre. Den Traum habe ich für mich selbst – mit inzwischen fast 35 Jahren – natürlich längst aufgegeben. Aber die nächste Generation steht – oder sitzt – schon in den Startlöchern und wer weiß, was die Zukunft bringt…




