Ist Stillen eine Kopfsache?

Diese Frage stelle ich mir schon länger. Und möchte euch zunächst von meinen Erfahrungen berichten.

Paul wurde am 18. April 2009 in der Jenaer Frauenklinik geboren. Für mich war damals alles so neu, aber ich setzte mir das Ziel: Ich will stillen! Doch leider war die Klinik alles andere als stillfreundlich. Der Ablauf war ziemlich hektisch und ich hatte das Gefühl, dass man uns schnell aus dem Kreißsaal haben wollte.
Als wir wieder auf dem Zimmer waren, kam eine Hebamme um mir das “richtige” Anlegen zu zeigen. Sie nahm Pauls Köpfchen und drückte es in meine Brust. Daraufhin verschwand sie wieder und ich saß fassungslos da. In diesem Moment fühlte ich mich überfordert und unsicher.
Am nächsten Tag ließ ich mich entlassen und war überglücklich als mir meine Nachsorgehebamme mit Rat und Tat zur Seite stand.

Das Stillen klappte ganz gut, doch Paul nahm nur langsam zu. Von allen Seiten wurde mir geraten mit dem Zufüttern anzufangen, d.h. nach jeder Stillmahlzeit wurde ihm zusätzlich die Flasche angeboten. Damit nahm das Übel seinen Lauf. Paul merkte nämlich schnell, dass die Milch aus der Flasche viel einfacher zu haben ist. Kein langes zutscheln, sondern die Flasche innerhalb weniger Minuten leeren…Es wurde immer mehr Pre und immer weniger Muttermilch. Gerade einmal 2 Monate hatte ich durchgehalten voll zu stillen. Ich habe es noch mit Stilltee probiert, mit Abpumpen…doch nichts half, es wurde nicht mehr. Eine Mahlzeit sah übrigens folgendermaßen aus: Stillen, abgepumpte Milch zufüttern, Pre zufüttern und danach wieder abpumpen für die nächste Mahlzeit. Ich war fix und fertig und gab das Stillen völlig auf.

Bei Katharina war das ganz anders. Ich nahm mir fest vor hartnäckiger zu sein. Das Stillen klappte überraschenderweise von Anfang an relativ gut.
Einen Schnuller hat Katharina nicht bekommen, um sie nicht zu irritieren und einen bestmöglichen Stillstart zu gewährleisten.
Am zweiten Lebenstag wurde sie ziemlich schnell gelb (Ikterus). Unsere Hebamme riet uns ins Krankenhaus zu fahren und ihre Werte überprüfen zu lassen. Gesagt getan. Im Krankenhaus angekommen wurde Katharina Blut abgenommen. Anschließend führte ich ein längeres Gespräch mit der Ärztin, die  uns empfohen hatte zuzufüttern damit der Ikterus schneller verschwindet. Katharina schied auch recht lange Mekonium aus.
Wir wurden vom Krankenhaus mit Milchnahrung ausgestattet und durften wieder nach Hause gehen.
Zwei Tage lang bekam sie nachts nach dem Stillen eine kleine Portion Pre, dann habe ich mich dazu entschlossen darauf zu verzichten. Zu groß war die Angst, dass es zur Routine wird und ich WOLLTE unbedingt STILLEN!!!
Die darauffolgenden Nächte waren etwas streßig, denn ich musste Katharina sehr oft anlegen und meine Brustwarze riss seitlich ein. Die Schmerzen beim Stillen waren unerträglich, aber als der Milcheinschuss nach knapp 5 Tagen endlich kam ging es bergauf. Die kleine Wunde heilte dank Kompressen schnell ab und das Stillen spielte sich ein.
Seit “die kleine Maus” eine Woche alt ist schläft sie durch und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Mittlerweile ist Katharina 5 Monate alt und wir stillen noch immer voll. Bis Ende April/Anfang Mai werde ich noch voll stillen und dann langsam Beikost einführen. Dennoch habe ich mir zum Ziel gesetzt komplett ohne “künstliche Milch” auszukommen und sie noch mindestens bis nächstes Jahr weiter zu stillen.

Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass Stillen in den meisten Fällen reine Kopfsache ist. Mädels, glaubt an euch. Bei keiner stillenden Mutter läuft am Anfang alles perfekt. Lasst euch nicht verunsichern und hört auf euren Mutterinstinkt, aber vor allem auf euer Kind. Ic ärgere mich noch heute darüber, dass ich bei Paul nicht hartnäckiger war.

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10 Kommentare “Ist Stillen eine Kopfsache?

  1. Schön das Du so hartnäckig warst, sind heute die wenigsten.

    Bei mir war es auch recht schwierig, da mein Sohn immer nach 1-2 Minuten eingeschlafen ist. Er ließ sich auch durch nichts aufwecken – selbst komplettes Ausziehen bei offenem Fenster interessierte ihn überhaupt nicht. Und während die Stillberaterin im Krankenhaus meinte, dass das schon wird, sagte mir eine Krankenschwester einen Tag später, dass das nie was wird und ich lieber gleich mit zufüttern anfangen sollte …

    Hab durchgehalten und gestillt. Allerdings habe ich jeweils 1x pro Woche zugefüttert, da er immer 1 Tag in der Woche hatte, wo er unersättlich war. Warum auch immer ;) Inzwischen ist er 21 Monate und bekommt abends noch die Flasche, schläft dann aber bis morgens durch.

    Ehrlichgesagt – ich beneide Dich. Schon im Altern von 1 Woche durchschlafen …. Traumhaft …

    lg, sandra

  2. Ich hatte mit meiner Tochter damals auch keinen glücklichen Stillstart. In der Klinik hatte ich keine Unterstützung, die “Stillberaterin” war immer schnell weg, ich wurde als doof dargestellt. Meine Tochter nahm schnell ab und mir wurde zum Zufüttern geraten. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte stillen und kein Flaschenkind mit künstlicher Milch.
    Per Handy rief ich aus der Klinik meine Hebamme an und diese kam zu mir in die Klinik, half mir beim Anlegen etc. Am nächsten Tag ließ ich mich auf eigenen Wunsch entlassen und versuchte das Stillen daheim. Dort war es viel ruhiger, freundlicher, kein Stress, keine Besucher der Mitpatienten… Und siehe da, es klappte schon besser. Ich bekam eine Milchpumpe und fütterte meine Kleine nach dem Stillen mit der abgepumpten Milch (mit einer Pipette). Das Ganze spielte sich schnell ein und ich konnte ohne Probleme stillen.
    Es hängt wohl viel davon ab, welche Unterstützung man hat. Ob die Hebamme einem gut zuspricht und Mut macht und ob der Partner einen unterstützt (obwohl A. wohl auch keine Probleme mit Milchnahrung für seine Tochter gehabt hätte…).
    Ich habe dann ca 7 Monate voll gestillt und als meine Tochter 13 Monate war abgestillt. Auf künstliche Milch konnten wir so verzichten und ich bin sehr froh drum.

  3. super wie hartnäckig du warst… auch ich hatte einige schlimme phasen… aber mewin dickschädel und vorallem melinas haben sich durchgesetzt und noch jetzt mit ihren 9 monaten stille ich sie so gut wie voll….und ich bin stolz auf uns beide…

  4. @ Sandra, ich bin auch froh, dass es mit dem Schlafen so gut seit Anfang an klappt. Dafür haben wir andere “Problemchen”. Katharina ist zum Beispiel immer bei mir. Entweder auf dem Arm, oder beim Bloggen liegt sie auf dem Stillkissen auf meinem Schoß und schläft. Ablegen klappt sehr selten. Dann spielt sie 10 Minuten und möchte wieder hoch. Da ich auch immer zusammen mit ihr ins Bett gehe, habe ich nahezu keinen einzigen Moment “nur für mich”. Hin und wieder sehne ich mich schon nach einem bisschen mehr “Freiheit”, vor allem was meinen Körper betrifft…aber dann sage ich mir “Genau dafür bin ich Mutter geworden, um für die beiden da zu sein.”.

  5. @connychaos, es gibt leider noch viel zu viele stillunfreundliche Krankenhäuser. Auch bei den Hebammen muss man heutzutage richtig Glück haben. Mir ist schon sehr oft aufgefallen, dass viel zu schnell zum Zufüttern geraten wird. Gerade Erstgebärende lassen sich zu schnell verunsichern und glauben nicht an sich.
    Gerade was die Trinkmengen betrifft sind viele unsicher. Katharina stille ich ja voll und ich weiß nicht wie viel sie trinkt. Nachts schläft sie durch und tagsüber ist es ein Dauerstillen, so kommt es mir jedenfalls vor. Sie nimmt regelmäßig zu, also ist alles in Ordnung. Sie ist mit ihren 6.500 g ein zierliches Kind, aber kerngesund und putzmunter. Würde ihr die Milch nicht reichen, wäre sie nachts wach und unruhig.
    Ich hoffe, das klingt jetzt nicht arrogant, aber ich bin mir sicher, dass ich den richtigen Weg für uns gefunden habe was das Stillen und den Tagesablauf betrifft.

    Ihr habt es geschafft auf künstliche Milch zu verzichten, das finde ich super. Hoffentlich klappt es bei uns auch, aber ich bin guter Dinger. Das wird schon werden.

  6. @ Sarah, na da hat Melinas (Melina ist ein sehr schöner Name ) Dickschädel wirklich beste Arbeit geleistet. Du kannst wirklich stolz sein. Nur weiter so. Wir packen das schon!

  7. Hallo Franzi,

    schön zu lesen, dass nun alles super geklappt hat.
    Bei meinem ersten Sohn gings mir genauso wie Dir bei Paul.

    Dann hab ich mir fest vorgenommen, mein 2 Kind länger zu stillen.

    Aber wie Du ja weisst, wurden aus dem 2. Kind Zwillinge und es hat wieder nicht geklappt.

    Naja, es waren eben 2 glückliche Flaschenkinder, was solls…

    Wünsche Euch noch weiter viel Erfolg und alles liebe!

    Nine

  8. Ich wollte auch bei Stella auf jedenfall stillen und ich war/bin froh das es volle 6 Monate richtig super geklappt hat und dann mit der Beikost und dem normalen essen war auch alles super einfach. Künstliche Milch kennt sie garnicht und das will ich bei dem 2ten Baby auf jedenfall auch versuchen komplett auf Pre oder zusatzmilch zu verzichten und schön stillen und dann mit essen anfangen

  9. Ich habe Sophia drei Tage lang gestillt – dann hats irgendwie nicht mehr richtig geklappt. Sie hat nicht richtig gezogen und ist dadurch jede halbe Stunde gekommen. Ich habe dann ganze acht Wochen lang abgepumpt, weil ich so viel Milch hatte und jeder meinte, dass es doch zu schade sei…. Ich musste nachts raus und beidseitig (fast eine Stunde lang) abpumpen, weil ich viel zu viel Milch hatte. Alle drei bis vier Stunden bin ich eine Stunde lang an der Pumpe gehockt.
    Nach harten acht Wochen habe ich fast zwei Monate lang abgestillt, weil ich zweimal Milchstau und einmal Brustentzündung hatte. Die Milch war einfach viel zu viel. . .

    Seither steht für mich fest, dass ich (sollte ich nochmals ein Kind bekommen) gleich von Anfang an mit Pre-Nahrung anfangen werde!

  10. Recht hast du gehabt, das du die bei deiner 2. Maus nicht hast entmutigen lassen. Die kleinen Würmer gedeihen immer noch am besten wenn sie gestillt werden. Ich habe meine 4 Töchter alle gestillt, zwischen 9 Monaten und 22 Monaten. Ich möchte diese Zeit nicht misse, auch wenn ich an manchen Tagen das Gefühl hatte, sie würden mich regelrecht “aussaugen”.

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